Energetische Modernisierung des Berliner Mietwohnungsbestandes – sozialverträglich gestalten, aber wie?

Fachtagung am 31.05.2017

Berlin hat sich anspruchsvolle Klimaziele gesetzt, die auch den Wohngebäudebestand adressieren. Klimaneutralität gibt es aber nicht zum Nulltarif. Wie aber die Kosten der energetischen Modernisierung sinnvoll begrenzen und sozialverträglich auf die Schultern von Allgemeinheit, Mietern und Vermietern verteilen? Dieser Rahmenfragestellung widmete das NETZWERK ERDGAS am 31. Mai eine diskussionsfreudige Fachtagung im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst.

Das NETZWERK ERDGAS hat sich erfolgreich zur Informationsplattform in der Branche entwickelt.

Videodokumentation der Fachtagung

Peter Rathert

Grußwort zum Jubiläum.

Einleitend erläuterte Peter Rathert - verantwortlicher Referatsleiter im Bundesbau-/Umweltministerium - die Rahmenbedingungen auf Bundesebene. Sein Fazit: Eine Verschärfung der energetischen Anforderungsniveaus wird zwar von europäischer Ebene vorgegeben. Wie diese aber unter dem in der Bundesrepublik geltenden Wirtschaftlichkeitsgebot umgesetzt werden können, ist bislang unklar. Offensichtlich wird dies nicht ohne eine massive Ausweitung öffentlicher Förderung gehen.

Impuls-Vortrags des Berliner Baustaatssekretärs Sebastian Scheel.

Die Frage einer sozialverträglichen Gestaltung der Energiewende in der Berliner Wohnungswirtschaft stand im Mittelpunkt des Impuls-Vortrags des Berliner Baustaatssekretärs Sebastian Scheel. Er verwies ausdrücklich auf die Regelungen des Berliner Energiewendegesetzes, wonach „Folgeregelungen“ nicht zu Bruttowarmerhöhungen führen dürfen. In diesem Kontext plädierte er für eine deutliche Absenkung der Modernisierungsumlage von derzeit 11 Prozent.

Sebastian Scheel

Kontrovers wurde auch in der Podiumsrunde diskutiert.
Rainer Wild

 

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde die Fragestellung einer sozialverträglichen Ausgestaltung der Berliner Energiewende von einem prominenten Podium erörtert. Mit teils kontroversen Positionen diskutierten:

  • Sebastian Scheel,
    Staatssekretär für Wohnen; Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen,
  • Dieter Blümmel,
    Haus & Grund Berlin; geschäftsführender Gesellschafter Grundeigentum-Verlag,
  • Rainer Wild,
    Geschäftsführer Berliner Mieterverein
  • Klaus Wein,
    GASAG AG und
  • Ingo Malter,
    Geschäftsführer Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft GmbH

Das Podiumsgespräch brachte an mehreren Punkten Positionen zutage, die so nicht zu erwarten waren. So zeigte Dieter Blümmel durchaus Gesprächsbereitschaft hinsichtlich einer Absenkung der Modernisierungsumlage, solange dies - in beide Entwicklungsrichtungen - an die Zinsentwicklung gebunden werde.

Einen weiteren Aspekt der Diskussion bildete die Frage, ob die angespannte Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt nicht über eine Reduzierung des Flächenbedarfs pro Kopf deutlich abgemildert werden könnte. Einigkeit herrschte darüber, dass dies - statistisch betrachtet – zu erheblicher Entspannung führen würde. Über das „Wie“ aber müsse politisch sehr behutsam diskutiert werden.

Klaus Wein wies in diesem Zusammenhang auf die Bestrebungen der „Initiative Wärmewende für Berlin“ hin, die darauf abzielen, vor allem marktorientierte und technologieoffene Lösungsansätze zu befördern.

 

 

Julia Markert und Ulrich Prochaska von SenerTec-Center Berlin-Brandenburg GmbH

SpeedDating mit Marktpartnern.

Im Anschluss an die politische Podiumsdiskussion folgte ein praktischer Teil, der sich konkreten Techniken zur Umsetzung der Energiewende widmete. In Form eines „SpeedDatings“ wurden vielfältige Konzepte sowohl auf der Bühne als auch im Rahmen der Begleitausstellung diskutiert.

Mathias Hoppe, Viessmann Werke GmbH & Co. KG

Christine Heuer, ENEO/IBB Business Team GmbH

Netzwerken.

Das Themenspektrum reichte dabei von Informationen zu Heizungslabeln, über digitalisierte Heizungskonzepte, erdgasbetrieben Brennstoffzellen, bis hin zu geringinvestiven Maßnahmen wie dem hydraulischen Abgleich. Umfassende Beratungsangebote des IBB-Projektes ENEO im Bereich Finanzierung rundeten den abschließenden Praxisteil der Veranstaltung ab.


Einzelinterviews der Referenten

Sehen Sie hier die vollständigen Interviews der Referenten.

Bildergalerie der Veranstaltung

 
zum Seitenanfang