Fachkräfte für die Berliner Energiewende: Vom Engpass zur Lösung!?

Fachtagung am 12.09.2018

Kürzlich hat der Senat das Umsetzungskonzept für das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm beschlossen, demzufolge in den nächsten Jahren erhebliche Maßnahmen, z.B. in der energetischen Gebäudesanierung, erfolgen sollen.

Wie aber kann ein solches "klimapolitisches Konjunkturprogramm" vom Berliner Arbeitsmarkt überhaupt bewältigt werden?  Dieser Frage ging die Veranstaltung des NETZWERK ERDGAS nach, die damit einen neuen energie- und klimapolitischen Diskussionsstrang mit den maßgeblichen Berliner Akteuren öffnete.

Carsten Döring | Pressesprecher, NBB Netzgesellschaft Berlin­Brandenburg mbH & Co. KG

 

Nachdem Carsten Döring – Prokurist der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg mbH & Co. KG, ins Thema einführte, legte Christian Rickerts, Staatssekretär für Wirtschaft, die Grundlinien der Politik des Berliner Senats im Hinblick auf Fragen des Fachkräftemangels dar.

Fachkräftemangel – Herausforderung für die Energiewende?

Dabei betonte Rickerts nachdrücklich die Notwendigkeit, Fragestellungen der Energiewende nicht ausschließlich technisch zu diskutieren, sondern sich auch "weichen" Aspekten – wie dem Fachkräftemangel – zu widmen. Hierfür sei die Veranstaltung des NETZWERK ERDGAS ein hervorragender Ansatz.

Christian Rickerts | Staatssekretär Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Rickerts legt weiterhin dar, wie der Senat mit vielfältigen Initiativen dem Fachkräftemangel entgegen steuert. Insbesondere das Aktionsprogramm Handwerk, der Masterplan Industrie und das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK 2030) enthielten eine Vielzahl von Maßnahmen, die darauf abzielten, den Fachkräftebedarf abzusichern. So wird über eine Stärkung der betrieblichen Ausbildung als auch das duale Abitur eine höhere Attraktivität des Handwerks angestrebt, ohne die eine energetische Gebäudesanierung nicht funktionieren kann,  angestrebt. Rickerts machte aber auch deutlich, dass Berlin international als attraktive Metropole wahrgenommen wird und ein Großteil der nach Berlin ziehenden Bürger über einen sehr guten Ausbildungshintergrund verfügen und den Arbeitsmarkt dementsprechend entlasten. Diese Internationalität gelte es ebenfalls weiter zu stärken.

Videodokumentation der Fachtagung

Tanja Kenkmann | Senior Researcher, Ökoinstitut e. V., Freiburg

Energiewende im Gebäudebereich: Flaschenhals Fachkräfte?

Tanja Kenkmann, Senior Researcher am  Ökoinstitut e. V., (Freiburg) stellt die Ergebnisse ihrer aktuellen Metastudie vor, die sich mit dem Fachkräftemangel im Bereich der energetischen Gebäudesanierung beschäftigt. Ihre auch durch Umfragen unter Ein- und Zweifamilienhausbesitzern untermauerte Aussagen belegen, dass bereits heute zahlreiche Sanierungsvorhaben aufgrund fehlender Handwerkskapazitäten nicht realisiert werden können. So gaben mehr als 40 Prozent der Befragten an, dass es schwierig war, geeignete Handwerksbetriebe für die geplanten Sanierungsmaßnahmen zu finden. Jeder Zwölfte konnte kein geeignetes Angebot erhalten, etwa jeder Dritte hat weniger Angebote bekommen als angefragt. Vor dem Hintergrund dieser Marktlage schätzte Kenkmann die in der Klimapolitik auf Bundesebene angestrebte Verdreifachung der Sanierungsrate im Gebäudebestand als wenig realistisch ein.

Podiumsdiskussion 
Qualifizierung, Digitalisierung, Fachkräfteimport? Lösungsansätze auf dem Prüfstand

In der anschließenden Podiumsdiskussion legten Spitzenvertreter der Berliner Handwerkskammer, Architektenkammer, IHK, SHK-Innung und der NBB Netzgesellschaft ihre Problemsicht und auch mögliche Lösungsansätze dar.

Thorsten Neumann | Stabsleiter Personal/interne Kommunikation, NBB Netzgesellschaft Berlin­Brandenburg mbH & Co. KG

Jürgen Wittke | Hauptgeschäftsführer, Handwerkskammer Berlin

Andreas Koch-Martin | Leiter Ausbildungszentrum, Innung Sanitär · Heizung · Klempner · Klima Berlin (Innung SHK Berlin)

Hille Bekic | Vorstand, Architektenkammer Berlin, Körperschaft des öffentlichen Rechts

Dabei wurden einerseits die kritischen Einschätzungen der Realisierbarkeit der klimapolitischen Ziele auch für Berlin geteilt. So wird beispielsweiseweise die erforderliche Verzehnfachung des jährlichen Zubaus an PV-Anlagen als wenig realistisch eingeschätzt.

Jürgen Wittke | Hauptgeschäftsführer, Handwerkskammer Berlin

Henrik Vagt | Bereichsleiter Mittelstand & Energie, Industrie­ und Handelskammer zu Berlin

So war es breiter Konsens auf dem Podium, Initiativen zu stärken, die bereits vor Ausbildungsbeginn darauf abzielten, die berufliche Eignung – im Sinne einer Talentsichtung und -beratung zu testen. Darüber hinaus gelte es auch, Rollenbilder bereits im Kindes- und Jungendalter aufzubrechen, um Handwerksberufe auch für weibliche Jugendliche attraktiver zu machen.

Weiterhin wurde deutlich, welch hohe Anforderungen, die sich permanent wandelnden Werteorientierungen (Stichwort Work-Live-Balance) und Medienverhalten von Jugendlichen an Unternehmen und ihren Ausbildern stellten.


Jürgen Wittke

Einzelinterviews der Referenten

Sehen Sie hier die vollständigen Interviews der Referenten.

Christian Rickerts

Jürgen Wittke

Bildergalerie der Veranstaltung

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