Die Energiewende aus Mietersicht: Ist sie in Bund und Land sozialpolitisch ausgewogen gestaltet?

Nachgefragt bei Reiner Wild (Geschäftsführer, Berliner Mieterverein e.V.)

Experteninterview des NETZWERK ERDGAS

Mit der Energiewende werden zeitlich gestaffelte klimapolitische Ziele verfolgt. Auch wirtschaftspolitisch werden Hoffnungen in eine modernisierte und innovativ ausgestaltete Energieinfrastruktur gesetzt. Wie aber ist es um das sozialpolitische Gleichgewicht der Energie- und Klimapolitik bestellt?

In der Mieterstadt Berlin betreffen diese Fragen zuallererst die hunderttausenden Mieter der Stadt. Dabei ist die Diskussion sehr stark von Kostenfragen geprägt. Auf der einen Seite wird unter dem Schlagwort „Energiearmut“ diskutiert, inwieweit insbesondere sozial schwache Bevölkerungsgruppen einen übergroßen Anteil ihres verfügbaren Einkommens für Strom, Heizung und Warmwasserkosten ausgeben. 

Auf der anderen Seite ist insbesondere die Frage der energetischen Modernisierung des Gebäudebestandes häufig mit erheblichen Mietsteigerungen verbunden, infolgedessen sich Mieter gezwungen sehen ihre angestammten Wohnungen aus Kostengründen zu verlassen.


Geschäftsführer, Berliner Mieterverein e.V.

 
Bild: Berliner Mieterverein e.V.

Die Energiewende hat also unbestritten soziale Dimensionen. Diese gilt es bei der Ausgestaltung der bundespolitischen Rahmenbedingungen der Energiewende zu berücksichtigen. Dies betrifft z.B. die politische Instrumentierung des Ziels die energetische Sanierungsrate massiv anzuheben. Hier stellen sich Fragen der finanziellen Lastenverteilung aber auch der ordnungsrechtlichen Ausgestaltung – insbesondere bei der aktuell in der Diskussion befindlichen Neugestaltung des Energiesparrechts.

Im zweiten Teil des Interviews äußert sich Reiner Wild zu Fragen der Berliner Energie- und Klimapolitik, für die – nach der Wahl – ein Neuanfang erwartet wird.

Kurzvita Reiner Wild:

Reiner Wild ist seit 1981 beim Berliner Mieterverein e.V. tätig, zunächst als Mitarbeiter der Geschäftsführung und als stellvertretender Geschäftsführer. Seit 1.12.2009 Geschäftsführer. Studium der Soziologie in Konstanz und Berlin. Nach dem Studium zunächst tätig für das Wissenschaftszentrum Berlin. Viele Jahre bis 1981 ehrenamtliche Stadtteilarbeit im Rahmen des FU-Projektes „Stadtteilnahe Volkshochschularbeit“.

Seit 2011 im Präsidium des Deutschen Mieterbundes. Mitglied des Arbeitskreises Mietspiegel bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Seit Juni 2010 im Beirat der Berliner Wasserbetriebe. Mitglied im Verwaltungsrat der Verbraucherzentrale Berlin und seit Herbst 2012 im Berliner Klimaschutzrat, der die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt berät.

Geboren 1954 in Hannover, verheiratet, drei Kinder, wohnhaft in Berlin-Steglitz.


Berliner Mieterverein e.V.

zum Seitenanfang