Gebäudehülle.

Steigende Effizienzanforderungen für Gebäude

24 Millionen Wohneinheiten wurden vor 1979, also vor der ersten Wärmeschutzverordnung, gebaut. Der größte Teil davon gilt als energetisch sanierungsbedürftig: Die Gebäude sind unzureichend gedämmt, die Fenster häufig veraltet und undicht. In der Folge gehen große Teile der erzeugten Wärme ungenutzt verloren. Ziel von Energieeffizienzmaßnahmen bei diesen Gebäuden ist deshalb, die Transmissionswärmeverluste der Gebäudehülle deutlich zu reduzieren.


Niedriger U-Wert

Bei der Wahl von Dämmstoffen steht heute eine Vielzahl von Varianten zur Verfügung. Bei den klassischen Dämmstoffen ist grundsätzlich zwischen mineralischen Stoffen und organischen Schäumen zu unterscheiden. Auch Materialen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf, Flachs oder Schafwolle drängen verstärkt auf den Markt, weil immer mehr Kunden auf umwelt- und gesundheitsverträgliche Produkte achten. Orientierung bieten Umweltlogos wie der "Blauer Engel". Zentrales Kriterium für die Dämmwirkung ist der U-Wert. Dieser Wert gibt den Wärmedurchgangskoeffizienten eines Bauteils an: Je niedriger der Wert, desto weniger Wärme geht hindurch und umso dünner kann die Dämmschicht ausgeführt werden. Hochgedämmte Hause sollten mit einer mechanischen Lüftung ausgerüstet werden, um hygienischen Problemen und Schimmelbildung vorzubeugen.


Reflektierende Grafitplättchen

Beim Polystyrol-Granulat „Neopor“ reflektieren und absorbieren winzige Grafitplättchen die Wärmestrahlung. Dadurch kann mit erheblich geringeren Dämmstärken gearbeitet werden. „Neopor“ wurde in vielen Modellvorhaben verbaut und ist inzwischen erprobt.


Warm mit Vakuum

Vakuumisolationspaneele (VIP) haben 5 bis 10-fach bessere Wärmedämmeigenschaften als konventionelle Dämmstoffe. Deshalb kommen VIP vor allem bei Platzproblemen zum Einsatz. Ursprünglich wurden sie für Kühlanlagen entwickelt. Das Prinzip: In einer gasdichten Umhüllungsfolie ist ein druckstabiles Kernmaterial eingeschweißt und vakuumiert. Wird das Vakuum beschädigt, sinkt die Dämmwirkung allerdings rapide. Seit einigen Jahren sind VIP am Markt verfügbar. Die Preise sind nach wie vor deutlich höher als bei konventionellen Dämmstoffen.


Transparente Wärmedämmung (TWD)

Wird bei konventioneller Wärmedämmung der Wärmefluss von innen nach außen verringert, so holt transparente Wärmedämmung (TWD) zusätzlich die Wärme der Sonne ins Haus. Die Systeme reichen von transparenten Kunststoffplatten aus Granulat bis hin zu Papierwabenstrukturen, die mit Glas abgedeckt werden. Insbesondere bei Sanierungen ist eine transparente Wärmedämmung auf der Südseite sinnvoll, da hier oft wenig südorientierte Fensterflächen vorhanden sind, durch die solare Gewinne erzielt werden können. Der Nachteil: Damit die Fassade an heißen Sommertagen nicht überhitzt, müssen Verschattungsanlagen eingesetzt werden.


Schaltbare Wärmedämmung (SWD)

Eine Alternative zur transparenten Wärmedämmung ist die schaltbare Wärmedämmung. Diese auf einem Vakuumisolationspaneel basierende Technik nutzt nicht nur die solare Wärme, sondern schützt auch vor Überhitzung. Denn die schaltbare Wärmedämmung (SWD) leitet die Wärme der Sonne nur dann zum Rauminneren, wenn Heizungsbedarf und ausreichende Einstrahlung gegeben sind. Zu allen anderen Zeiten, etwa im Sommer oder an trüben Wintertagen, wird die SWD im hochdämmenden Zustand von etwa 0,2 W/(m2K) gehalten.
Wärme speichern
Mit Latentwärmespeichern kann das Raumklima das ganze Jahr über reguliert werden. Latentwärmespeicher nehmen bei einer bestimmten Temperatur Wärme auf und geben sie wieder ab, ohne ihre eigene Temperatur zu verändern. So können zum Beispiel Putze oder Gipskartonplatten mit Latentwärmespeicher beim Dachgeschossausbau verwendet werden, um vor Überhitzung zu schützen.


Fenster

Energetisch optimal sind Fenster, die nicht nur sehr gute Dämmeigenschaften haben, sondern auch viel solare Wärme hereinlassen. Fenster mit Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung sind hauchdünn mit Metall beschichtet und mit einem leitunfähigen Edelgas befüllt. Die Rahmen haben einen Dämmkern aus Polyurethanschaum. Der Vorteil: Selbst bei Frost sinkt die innere Oberflächentemperatur nicht unter 17 °C. Der Nachteil: Die Fenster sind sehr schwer und haben Bautiefen von 12 cm oder mehr.


Vakuumisolierglas (VIG)

Hervorragende Dämmeigenschaften bei erheblich geringerem Gewicht und äußerst schlanker Konstruktion hat Vakuumisolierglas. Durch die Evakuierung des Scheibenzwischenraums werden U-Werte von nur 0,5 W/(m2K) erreicht – und das bei einer Gesamtstärke von nur 9 mm.

Weitere Informationen zu diesem neuartigen Produkt erhalten Sie auch auf den Seiten des ZAE Bayern zu Vakkum-Isolations-Paneelen am Bau sowie auf den Seiten der EnOB (Forschung für Energieoptimiertes Bauen).

 

 


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