Energiewende sozialverträglich gestalten: Die energetische Modernisierung der „Gartenstadt Lichterfelde Süd“

Projekt des Monats Dezember 2015

In Lichterfelde wird gegenwärtig das realisiert, was man als „Quadratur des Kreises in der energetischen Sanierung“ bezeichnen könnte. Rund 850 Wohnungen aus den 30er- und 60er-Jahren werden energetisch umfassend modernisiert und anschließend „warmmieteneutral“ an die alten Bewohner vermietet.

Modell der Gartenstadt Lichterfelde Süd (Quelle: e Zeit Ingenieure GmbH)

Unter dem Motto „Energiewende vor Ort. Sozialverträglich, innovativ, generationengerecht“ schreitet das rund 70 Mio € Investitionsvolumen umfassende Bauvorhaben der Märkischen Scholle in Lichterfelde Süd seit Herbst 2014 voran.

Vor Projektbeginn erwies sich das Quartier als rundum überarbeitungsbedürftig. Zugige Fenster, feuchte Keller und überdurchschnittlich hohe Kosten für Heizung und Warmwasser von durchschnittlich 1,50 Euro pro Quadratmeter zeitigten einen hohen Handlungsbedarf.

Diesem begegnete die Märkische Scholle mit einem umfassenden Sanierungskonzept, das auch die Neugestaltung der Wohnungsgrundrisse mit einschloss. Besondere Beachtung fand das innovative Energiekonzept, das vom renommierten Berliner Büro eZeit-Ingenieure entwickelt wurde.

Energiekonzept neu gedacht

Das Energiekonzept zielt darauf ab, die Balance zwischen energiesparenden Maßnahmen an der Gebäudehülle und der haustechnischen Versorgung mit Heizung und Warmwasser neu zu definieren. Die Fassadendämmung, insbesondere der 30er-Jahre-Bauten, macht dabei nur einen kleinen Teil der Maßnahmen aus. Vielmehr liegt der Schwerpunkt des Konzepts auf der Eigenenergieerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien.

Die Energie für die Gebäude stammt künftig primär aus Solaranlagen, Wärmepumpen und der Wärmerückgewinnung aus der Abluft. Die passive Solarenergienutzung über einen optimierten Lichteinfall ist ebenfalls im Energiekonzept verankert.  Ein von den eZeit Ingenieuren entwickelter Erdwärmespeicher, der eTank, der als geothermische Quelle für die Wärmepumpe genutzt wird, sowie ein dynamischer Energiemanager (DEM) der eine bedarfsgerechte Steuerung aller Komponenten des Energiesystems sicher stellt, bilden den Kern des Energiesystems. Mit dem eTank werden die fluktuierenden erneuerbaren Energieerträge so gespeichert, dass sie jederzeit abgerufen und über eine Wärmepumpe dem Heizsystem zugeführt werden können. Der DEM regelt alle zur Verfügung stehenden regenerativen Energien und steuert Befüll- und Entnahmeprozesse des Energiespeichers.

Das Energiesystem mit eTank und DEM (Quelle: e Zeit Ingenieure GmbH)

Technikinnovationen bringen auch soziale Vorteile

Aber auch kostenseitig birgt das Energiekonzept für die Bewohner erhebliche Vorteile. Der Großteil ihrer Energiekosten wird in Zukunft wegfallen. Durch die fast vollständige Unabhängigkeit von Strom und Energielieferungen sind die Genossenschaftsmitglieder zudem kaum noch von künftig steigenden Energiepreisen betroffen. Vielmehr wird die neue Warmmiete der bisherigen nahezu entsprechen.

Ausgezeichnet…

Für ihr innovatives und zugleich umweltschonendes Energiekonzept wurde die Märkische Scholle mit Anerkennungen geradezu überhäuft. So wurde sie mit dem Berliner Umweltpreis 2014 des BUND ausgezeichnet. Darüber hinaus ist die Märkische Scholle „Klimaschutzpartner des Jahres 2015“, eine Auszeichnung die jährlich von einer Vereinigung der großen Wirtschaftsverbände und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt vergeben wird. Aber auch im Bundesumweltministerium würdigt man das Engagement der Genossenschaft. So durfte sie sich im Juni dieses Jahres über die Zusage des Bundesumweltministeriums freuen, dass Teile ihrer Sanierungsmaßnahme mit Mitteln aus dem Umweltinnovationsprogramm gefördert werden.

Bundesbau- und -umweltministerin Dr. Barbara Hendricks mit den Vorständen der Märkischen Scholle Margit Piatyszek-Lössl und Jochen Icken (Quelle: BMUB - Sascha Hilgers)

Wir haben kein Energie- sondern – wenn überhaupt – ein Speicherproblem!

Das Lichterfelder Konzept verdeutlicht, dass regenerative Energie auf Basis der vorhandenen Ressourcen vor Ort erzeugt werden kann. Mehr noch: Die Behaglichkeitsanforderungen könnten bereits mit einer deutlich geringeren Wärmedämmung erreicht werden, als dies die gesetzlichen Rahmenbedingungen vorsehen – inklusive einer Einsparung von „grauer Energie“, die für die Herstellung der Dämmmaterialen benötigt wird.


Ein Projekt der:

Märkische Scholle Wohnungsunternehmen eG

Weitere Informationen auf den Seiten der Märkischen Scholle

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